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Con Vox

 
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cheffe
Cheffe Admina


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Anmeldedatum: 27.08.2010
Beiträge: 4757
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BeitragVerfasst am: Mo Apr 25, 2011 10:16     Titel: Con Vox Antworten mit Zitat

Herzlichen Dank an Con Vox für seine Biographie

Pseudonym: ConVox


Ein freundliches Hallo allen Ex-Rauchern, Entwöhnungswilligen, aktiven Suchtbekämp-fern und solchen, die es werden wollen.!

Zwar bin ich kein Mitglied dieses Forums, aber gebeten, meine Erfahrungen vom Weg aus der Sucht hier einmal darzulegen, was ich gern tue.
Ich bin 60 Jahre alt, in anspruchsvollem technischem Beruf tätig, in der Freizeit Schriftsteller und Fotograf, treibe heute regelmäßig Sport (u.a. Radfahren, Inline-Skating, Schwimmen), bin seit 1994 geschieden, seit Ende 2009 wieder Single, habe 2 erwachsene Kinder und eine Enkeltochter. Ich habe immer im Osten Deutschlands gelebt.
Ich rauchte etwa seit meinem 18. Lebensjahr, es gab in dieser Zeit den einen oder anderen erfolglosen Versuch, aufzuhören, jedenfalls hielt der Erfolg nie lange vor.
Hauptsächlich in den 80er Jahren lebte ich einen Stil, über dessen weitere Folgen ich mir keine Gedanken machte. Die üblichen Verhaltensmuster trafen auch auf mich zu: Bewegungs- und Schlafmangel, falsche Ernährung etc. und natürlich Rauchen.
Ende der 90er wurde bei der Vorbereitung einer Bagatell-Operation Diabetes und Bluthoch-druck festgestellt, entsprechendes Übergewicht freilich auch.
Mein erster Schritt bestand darin, umzuziehen, den Alltagsstreß zu reduzieren, Zeit für mehr Ausgleich und Bewegung zu gewinnen und diese so auch zu nutzen. Das gelang soweit auch ganz gut, damit war aber das Rauchproblem nicht behoben.
Von der Frau eines inzwischen leider verstorbenen Studienfreundes, wusste ich, dass niemand willkürlich und in jeder beliebigen Lebenssituation aufhören kann, zu rauchen. Sie – Ärztin, Internistin in einer Reha-Klinik – lehnte sogar spontanen Kaltentzug ab, weil es dabei Kom-plikationen geben könne, die einen wirklichen Erfolg des Ausstiegs und sogar die Gesundheit des Kandidaten gefährden könnten.
Wir haben mehrfach lange über diese Dinge gesprochen, und sie vermittelte mir sehr nach-drücklich, dass zwei Aspekte von großer Bedeutung für einen Erfolg sind:

1. das eigene Verständnis der persönlichen Gründe für die Abhängigkeit
2. der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg bzw. die allmähliche Herstellung der inneren Be-
reitschaft, diesen Zeitpunkt zu erkennen und zu nutzen.

Diese erste Aufgabe hatte also mit irgendwelchen Aktionen gegen die Nikotinabhängigkeit zunächst scheinbar gar nichts zu tun. Ich habe dann verhältnismäßig lange gebraucht, um von der Erkenntnis der Notwendigkeit, rauchfrei zu werden, in die Lage zu kommen, das Problem ganz bewusst und aktiv angehen zu können. Im Ganzen waren das, ich würde heute sagen, etwa 3 – 4 Jahre.
Wenn ich mir diese Zeit bis zum praktischen Ausstieg heute vergegenwärtige, fällt mir ein Aspekt auf, den die erwähnte Ärztin gar nicht besonders betont hatte.
Vielleicht war es für sie einfach zu selbstverständlich, oder sie dachte, ich würde ohnehin drauf kommen. Beides trifft sicher zu. Ich muß zugeben, dass dieser Aspekt mir selbst auch erst jetzt besonders bewusst wurde, als wir über die Veröffentlichung dieses Berichts in die-sem Forum sprachen.
Worin besteht dieser besondere Aspekt? Er besteht schlicht in einer bedingungslosen Ehrlich-keit sich selbst, aber auch z.B. den von meiner Rauchsucht unzulässig Betroffenen, meinem persönlichen Umfeld gegenüber.
Was bedeutet Ehrlichkeit in diesem Zusammenhang? Wie im allgemeinen auch, bedeutet Ehr-lichkeit hier in erster Line, sich ohne faule Kompromisse oder Zugeständnisse bewusst zu machen, wo die Gründe für die Abhängigkeit liegen.
Für mich bestanden die Gründe – wie auch ähnlich für viele andere – im Ursprung irgend-wann in einem scheinbar coolen Männlichkeitsbild. Suggerierte Verhaltensmuster wurden unkritisch übernommen und dargestellt, und man (ich) meinte, allein damit schon dem Vorbild nahe sein und mit ihm identifiziert werden zu können.
(Wenn man sich vor Augen hält, wie Humphrey Bogart in „Casablanca“ auf das Klavier ge-lehnt die Zigarette hält und murmelt: „Play it again, Sam.“ dann hat das freilich ein gewisses Flair – aber es ist eben nur Kino, mit dem Leben hat das nichts zu tun.)
Später, als diese Coolness-Phase vorüber war, hatte sich die Sucht bereits verselbständigt. Sie diktierte Tagesabläufe, ohne dass dieses Diktat noch bewusst wurde. Sie formierte Rituale, die für sich gesehen überhaupt weder Sinn noch Inhalt besaßen oder ergaben. Was ich heute als das Schlimmste empfinde, ist die unbewußte, unterbewusste Steuerung des eigenen Lebens durch die Sucht selbst mit dem (Schein-)Effekt, damit vermeintlich Stress oder ein bestimmtes Problemempfinden kompensieren zu können. Dies führt zu einer Lebenshaltung, einer Einstellung, die an diesem Punkt oder von hier ausgehend oft – auch bei mir selbst – in einer verhängnisvollen Selbstüberschätzung besteht. Die aber ist schon Unehrlichkeit, nämlich durch den Schein, etwas zu sein oder leisten zu können, was man tatsächlich aber weder ist noch kann. Rauchen als Genuß und Tabak als Genussmittel anzusehen, ist Selbstbetrug.
Das Rauchen selbst wiederum erleichtert hierbei aber die Verdrängung bestimmter moralischer Bedenken, sodaß damit auch klar wird, dass jegliche Sucht zugleich das Potential ihres Fortbestandes erzeugt. Diese Spirale, diesen Teufelskreis hatte ich erkannt, und dieser war aufzubrechen, aufzulösen.
Wenn ich dies hier als Selbsterkenntnis so ausspreche, wird aber natürlich auch klar: das Rau-chen ist ebenso eine Täuschung der persönlichen Umwelt dergestalt, als damit ein Persönlich-keitsbild erzeugt wird, das mit der Realität tatsächlich nichts zu tun hat, es ist eine Lüge, um es mit einem schlichten Begriff klar zu bezeichnen.
Ich möchte an dieser Stelle einräumen, dass Rauchen in der hier diskutierten Form nur eine Art von Sucht darstellt. Alkohol wäre eine andere und das eine nimmt sich nichts mit dem anderen.
Für ebenso verhängnisvoll halte ich Abhängigkeiten ganz anderer Art, die gleichfalls und mit häufig geradezu tragischer Wirkung Effekte der (Selbst-)Täuschung produzieren oder sogar zum eigentlichen Inhalt haben. Kommunikations- oder auch Internet-Sucht ist inzwischen als eine solche erkannt, der darin erzeugte Anschein, in z.B. permanenter Online-Präsenz eine so gar nicht bestehende persönliche Wichtigkeit oder Bedeutsamkeit auszudrücken.
Wie auch beim Rauchen wird hier ein völlig verzerrtes Eigenbild und Selbstwertgefühl sugge-riert, und indem dies als Realität akzeptiert wird, ist die Lebenslüge bereits perfekt.
In der Folge tritt etwas ein, was allen Süchten gemeinsam ist: eine zunehmend geminderte soziale Potenz oder Kompetenz, weil ja in aller Regel noch immer bewusst ist, sich in und mit der Sucht selbst ausgeliefert zu haben, nicht selbst Herr seiner Entscheidungen und Handlun-gen zu sein. Darin möchte natürlich niemand gern erkannt werden, sodaß jegliches Suchtver-halten immer auch von Kontaktbeschränkungen, inhaltlichem Kommunikationsverlust oder entsprechenden Ersatzhandlungen begleitet ist.
Diese Seite der Sucht hatte auch ich mir bewusst machen müssen, und ich hatte in meiner o.g. Freundin/Ärztin eine sehr sachverständige Begleiterin. Der plötzliche Tod ihres Mannes, mei-nes Freundes und Studienkollegen, war mir dann Initialzündung, den Prozess des eigentlichen Ausstiegs einzuleiten.
Ich wusste dabei schon, dass ich nicht beliebig entscheiden konnte, einfach aufzuhören. Da ich mir die tatsächlichen Auswirkungen der Sucht persönlich schon bewusst gemacht hatte, brauchte ich aber keine weiteren Begründungen mehr, musste mir also weder gräusliche Bilder von verkrebsten Lungen noch amputationsreife Raucherbeine anschauen – das alles war mir als Perspektive bewusst, und ich wusste auch, dass ein gestandener Raucher mit solchen Schreckens-Demos nicht zu beeindrucken ist, sie sind für ihn schlicht Kinderkram.
Für mich war wichtig, den eigenen Erkenntnis- und Verständnisprozess an einen Punkt zu bringen, wo Entscheidungen praktischer Art möglich wurden.
Eine Hilfe waren dabei Denker und Philosophen früherer Jahrhunderte, z.B. Siddhartha Gau-tama, genannt Buddha, der da sagt: „Alles Leiden dieser Welt kommt aus Täuschung und Begierde.“
Mancher wird hier beifällig nicken, aber es kommt darauf an, sich zu vergegenwärtigen, wie dieser Satz ganz persönlich zu verstehen und in seiner ganzen Konsequenz zu verwirklichen ist. Im Rauchen wie in jeder Sucht sind Begierde und Täuschung immer aufs Engste mitei-nander verquickt, das hatte ich bereits versucht zu zeigen.
Sich von Begierden zu lösen, die zumal nur durch (Selbst-)Täuschung zu befriedigen sind, musste daher ein großer Schritt zu eigenem inneren Frieden und zu souveräner Beherrschung des eigenen Lebens sein. Diese Hoffnung hat sich für mich weitgehend erfüllt, weil sich in meinem Vorgehen der Satz eines anderen Philosophen erfüllt und bestätigt hatte: Baruch Spinoza, der holländische Glasschleifer formuliert in seiner Lehrschrift „Ethik“: „Ein Affekt, der ein Leiden ist, hört auf, ein Leiden zu sein, indem wir eine klare und deutliche Idee von ihm bilden.“
Etwas vereinfacht ausgedrückt: Wenn ich meine Sucht als Leiden begreife und zugleich be-greife, wodurch sie verursacht wird, kann ich sie erfolgreich bekämpfen.
Auch diese Erkenntnis hat sich für mich vollständig bewahrheitet und erfüllt.
In den letzten Tages des Jahres 2009 habe ich – mit diesen Erkenntnissen im Bewusstsein – dann das Rauchen hinter mir gelassen. Nach dem nun auch praktischen Entschluß hattee ich es noch zwei- oder dreimal versucht, aber es schmeckte mir nicht mehr, es war mir bereits lästig geworden.
Irgendwelche Entzugserscheinungen hatte ich weder in den ersten Tagen noch später. Be-stimmte Änderungen im Tagesablauf vollzogen sich fast unmerklich, d.h. gewisse Zeitlöcher oder Langeweile, die zuvor mit Rauchen gefüllt waren, entstanden nicht. Vielleicht kam hier der Zeitpunkt des Jahreswechsels, der bei mir oft mit einiger Mehrarbeit, privat und im Job, verbunden ist, diesem Ausstieg auch entgegen.
Ich denke, daß diese Effekte aber vor allem der gründlichen mentalen Vorbereitung zuge-schrieben werden können, die ich hier versucht habe zu beschreiben.
Um den Nikotinabbau besser zu kontrollieren, habe ich dann einige Wochen lang mit Nicoret-te-Kaugummi fallender Dosierung unterstützt, aber nach gut einem Vierteljahr war auch diese Phase überstanden – frei von jeglichen Folgen oder gar Störungen.
Daß gerade zu diesem Zeitpunkt unsere Firma in den Diensträumen Rauchfreiheit anordnete, war sowohl positiver Begleitumstand wie Herausforderung zugleich – die habe ich bestanden,
und dieser Erfolg bedeutet mir tatsächlich viel.
Der große Mark Twain karikierte seinerzeit untaugliche, weil auf unzureichender Ehrlichkeit basierende Versuche, das Rauchen aufzugeben, mit dem bekannten Satz:
„Mit dem Rauchen aufhören ist ganz einfach. Ich habe es schon hundertmal geschafft.“
Er, passionierter Pfeifenraucher, wusste sehr gut, dass hier mit Halbherzigkeit oder gar Unehr-lichkeit in Bezug auf das Laster nichts zu bewirken sein wird.

_________________
und fröhlich grüsst eure cheffe

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