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Wie entwickelt sich das Körpergewicht bei Exrauchern?

 
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clausi
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BeitragVerfasst am: Di Aug 31, 2010 21:09     Titel: Wie entwickelt sich das Körpergewicht bei Exrauchern? Antworten mit Zitat

Biggy
Gast





Verfasst am: 19 Jul 2009 21:52 Titel: Wie entwickelt sich das Körpergewicht bei Exrauchern?
Aus dem Bereich: Ernährung

Rauchen und Körpergewicht
01.08.2006

DGEinfo 07/2006 – Forschung, Klinik und Praxis

Das Rauchen ist in unserer Bevölkerung weit verbreitet und Ursache zahlreicher schwerwiegender Erkrankungen. Im Gegensatz zu vielen anderen hochentwickelten Ländern ist in Deutschland immer noch eine breite gesellschaftliche Akzeptanz des Rauchens festzustellen. In Deutschland rauchte im Jahr 2003 fast ein Drittel der Bevölkerung im Alter von ≥18 Jahren, Männer mit 37,3 % häufiger als Frauen mit 28 % (24).

„Rauchen ist kein Mittel zur Gewichtsregulation“
Rauchen schwächt das Immunsystem und beeinträchtigt die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Rauchen kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Hypertonie, Lungenentzündung, chronischer Bronchitis sowie bösartigen Tumoren der Lunge, der Mundhöhle, des Kehlkopfs, der Verdauungsorgane und weiterer Organe führen (16, 37). Rauchen ist die bedeutendste einzelne Todes- und Erkrankungsursache. Tabakentwöhnung hingegen ist mit einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustands verbunden. Daten der MONICA-Studie zeigen, dass der größte Anteil des beobachteten Rückgangs der Herzinfarktmortalität bei Männern durch den Rückgang des Rauchens hervorgerufen wurde (21). Auch Critchley & Capewell (2) stellten in einer Auswertung von 20 Kohortenstudien bei KHK-Patienten ein signifikant reduziertes Mortalitätsrisiko durch Tabakentwöhnung fest.
"Reach for a Lucky instead of a sweet" - ganz im Sinne dieses ehemaligen Werbeslogans für Zigaretten sind viele Menschen der Meinung, durch das Rauchen ihre Nahrungsaufnahme und damit ihr Körpergewicht regulieren zu können. Ein möglicher Gewichtsanstieg bei dem Verzicht auf das Rauchen wird oft stärker bewertet als die mit dem Rauchen verbundenen Gesundheitsrisiken. In der Tat ist Übergewicht bzw. Adipositas ein verbreiteter und bedeutender Risikofaktor für chronische Krankheiten wie z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychosoziale Probleme.
Laut Ernährungsbericht 2004 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. (5) sind den Ergebnissen des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 zufolge mehr als 65 % der Männer und ca. 55 % der Frauen in Deutschland übergewichtig.
Besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Rauchverhalten und dem Körpergewicht und führt der Rauchverzicht zwangsläufig zur Gewichtszunahme? Hat ein Raucher nur die Wahl zwischen den Gesundheitsrisiken des Rauchens oder denen einer Gewichtszunahme? Sind diese beiden Risiken überhaupt gegeneinander abwägbar?
Daten zum Körpergewichtsverlauf nach Tabakentwöhnung
Sorge vor einer Gewichtszunahme wird häufig als Grund genannt, nicht mit dem Rauchen aufzuhören bzw. nach dem Verzicht wieder mit dem Rauchen anzufangen, besonders von Frauen (22, 38, 35, 32). Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Rauchverzicht mit einer Gewichtszunahme assoziiert ist, wobei das Ausmaß sehr verschieden sein kann (40, 38, 36, 23, 28).
Im Folgenden werden ausgewählte Studienergebnisse dargestellt. Diesen ist voran zu stellen, dass die Literatur einige methodische Probleme aufweist. Der Effekt der Rauchabstinenz auf das Körpergewicht wurde häufig retrospektiv untersucht, es gibt nur wenige prospektive Studien, die den Effekt besser klären können. Oftmals ist die Follow-up-Dauer der prospektiven Studien jedoch gering. Eine weitere Limitation vieler Studien ist beispielsweise, dass Angaben zum Gewicht und zum Rauchstatus häufig auf mündlichen Selbstangaben beruhen. So besteht die Tendenz zur Unterschätzung des Körpergewichts (underreporting) und zu Falschangaben ("nicht zugeben") bei den Rauchgewohnheiten. Kritisch ist auch, Ergebnisse zu Abstinenzen zu einem bestimmten Zeitpunkt mit denen kontinuierlicher Abstinenzen zu vergleichen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Gewichtszunahme nach Rauchabstinenz von einer "normalen" Gewichtszunahme zu trennen. Dies sind mögliche Gründe für die teilweise inkonsistent erscheinenden Ergebnisse.
O'Hara et al. (28) fanden beispielsweise in einer Auswertung von Daten der Lung Health Study (1986-1994; prospektive Kohortenstudie) relativ große Gewichtszunahmen innerhalb von 5 Jahren nach dem Rauchstopp. Unter den Personen, die aufhörten zu rauchen, nahmen 33 % 10 kg oder mehr zu, 7,6 % der Männer und 19,1 % der Frauen sogar 20 kg oder mehr; im Vergleich dazu nahmen nur 6 % der Raucher 10 kg oder mehr zu.
Flegal et al. (8) untersuchten retrospektiv an einer Population des dritten National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III), ob Rauchabstinenz ein Faktor ist, der zur steigenden Prävalenz des Übergewichts in den USA beiträgt. Sie kamen zu dem Schluss, dass bei Männern ein Viertel und bei Frauen ein Sechstel des Prävalenzanstiegs bei Übergewicht durch Rauchstopp innerhalb der letzten 10 Jahre bedingt sein kann. Die Gewichtszunahme im Verlauf von 10 Jahren war bei Exrauchern um 4,4 kg bei Männern bzw. um 5,0 kg bei Frauen größer als bei weiterrauchenden Personen. Auch im Vergleich zu Personen, die niemals rauchten, ist das Risiko einer Gewichtszunahme bei Exrauchern erhöht.
Für Exraucher beschreiben Stumpfe und Kulig (35) anhand eigener und anderer Untersuchungsergebnisse, dass ca. 35 % Hungergefühle verspüren, ca. 60 % mehr Appetit haben, ca. 60 % einen Gewichtsanstieg beobachten und der Gewichtsanstieg in den ersten Monaten ca. 2,5 kg und nach 6 bis 12 Monaten ca. 4 kg betragt.Weiterhin gehen sie davon aus, dass langfristig die Halfte der Gewichtszunahme wieder verloren geht. Dass starke Raucher (≥25 Zigaretten pro Tag) u. U. zunachst (innerhalb von 2 Jahren) eine starke Gewichtszunahme erfahren, dann aber wieder abnehmen (nach 5 Jahren), stellten z. B. auch Mizoue et al. (26) in einer Querschnittsanalyse bei japanischen Mannern fest.
Auf Basis einer Querschnittsanalyse berichet Kawada (20) ähnlich wie O'Hara (28) und Froom (10) in ihren prospektiven Studien von einer Periode des Gewichtsanstiegs von 5 bis 7 Jahren. Demgegenüber zeigten Williamson et al. (40) im Follow-up einer NHANES-Kohorte (1971/75 bis 1982/84), dass das erhöhte Körpergewicht unabhängig von der Zeit seit dem Rauchstopp erhalten bleibt.
In einem alteren USDHHS-Report (38) wurde anhand der Auswertung von 15 Studienergebnissen zur Gewichtszunahme nach Rauchverzicht nur von einer moderateren Gewichtszunahme berichtet: Vier Fünftel der Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, nahmen zu, die durchschnittliche Gewichtszunahme lag bei 2.3 kg. Die durchschnittliche Körpergewichtszunahme der Personen, die weiterrauchten, lag bei 0,5 kg. Rauchverzicht führt demnach zu einer um ca. 2 kg größeren Gewichtszunahme als das Beibehalten des Rauchens. Diese Gewichtszunahme stellt - insbesondere im Vergleich zum Rauchen - kein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar. Das Risiko großer Gewichtszunahmen ist gemäß diesem Bericht gering.Weniger als 4 % der Exraucher nehmen mehr als 10 kg zu. Selbst fur diese ist der Nutzen des Rauchverzichts gegeben und Gewichtskontrollprogramme sollten implementiert werden, anstatt einen Rückfall zum Rauchen zuzulassen (38).
In einer neueren prospektiven Studie an einer norddeutschen Studienpopulation von 4 075 18- bis 64-Jährigen zeigten John et al. (19) ebenfalls, dass über einen längeren Zeitraum (nach 36 Monaten) keine erhebliche Gewichtszunahme durch Rauchabstinenz zu verzeichnen ist. Aus dieser wie auch aus anderen Studien (26, 28) gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der gerauchten Zigaretten und der Höhe der Gewichtszunahme nach Rauchstopp; Personen, die starke Raucher waren, nehmen mehr Gewicht zu als Personen, die schwache Raucher waren.
Ursachen der Gewichtszunahme nach Tabakentwöhnung
Nikotin verursacht einen Mehrverbrauch an Energie und Nikotinentwöhnung senkt dementsprechend den Energieumsatz (27, 3). Die von Nikotin ausgehende Erhöhung des Grundumsatzes ist eine Wirkung, die innerhalb von 24 h abklingt (29, zitiert in 13), weshalb sich ein Rauchstopp u. U. relativ schnell auf das Körpergewicht auswirken kann. Hofstetter et al. (15) stellten bei starkem Rauchen (24 Zigaretten pro Tag) einen Mehrverbrauch von ca. 200 kcal pro 24 h fest und schlussfolgerten, dass ein starker Raucher, der - bei unveränderter Nahrungsaufnahme - aufhört zu rauchen, langfristig eine Gewichtssteigerung erfahren wird.
Nikotin dämpft den Appetit, so dass nach Tabakentwöhnung der Appetit und die Nahrungsaufnahme erhöht sein können (27, 34, 18). Die Vorliebe für Süßigkeiten kann ansteigen (12, 11, zitiert in 13). Generell könnten Personen, die mit dem einen Suchtverhalten, dem Rauchen, aufhören, anfällig dafür sein, dieses durch ein anderes abweichendes Verhalten zu ersetzen (13).
Nikotin scheint darüber hinaus einen direkten Effekt auf das Fettgewebe zu haben, nämlich eine verminderte Lipoproteinlipase-Aktivität und erhöhte Lipolyse. So könnte es bei Nikotinentwöhnung und gleichbleibender Energiezufuhr leichter zur Ansammlung von Körperfett kommen (17, 7).
Vermeidung einer Gewichtszunahme nach Tabakentwöhnung
Das Ausbleiben einer merklichen Gewichtszunahme kann zu einer erfolgreichen Rauchabstinenz beitragen und die Rückfallquote senken. Körperliche Aktivität könnte helfen, einen Gewichtsanstieg zu vermeiden und Exrauchern das Abstinentbleiben zu erleichtern, jedoch fehlen diesbezüglich Studien mit längerer Dauer, größerer Studienpopulation und ausreichender Übungsintensität (39, 19 a, 25, zitiert in 13). Die Begleitung der Tabakentwöhnung von einer kognitiven Verhaltenstherapie (31) und einer Ernährungsintervention (Energiereduktion) (4) kann ebenfalls zur Senkung des Risikos einer Gewichtszunahme und der Rückfallquote beitragen. Speziell für starke Raucher existieren auch pharmakologische Methoden wie Nikotin-Ersatztherapie, Dopamin- und Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Bupropion oder Rimonabant (noch nicht zugelassen) zur erfolgreichen Tabakentwöhnung mit reduziertem Risiko für Gewichtszunahmen (9, 1).
Als inhaltlichen Rahmen der Ernährungsberatung von Exrauchern bzw. Personen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, empfiehlt die DGE eine bewusste, ausgewogene und evtl. anfangs auch energiereduzierte Mischkost.
Fazit
In Deutschland sterben schatzungsweise 110 000 bis 140 000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums (6). Berechnungen zur Zahl der auf Übergewicht/Adipositas (BMI ≥25 kg/m2) zurückzuführenden Todesfalle ergaben, dass mindestens 1 von 13 Todesfällen in der Europäischen Union mit Übergewicht/Adipositas in Verbindung gebracht werden kann. In absolute Zahlen umgerechnet waren dies für Deutschland 63 700 Todesfälle im Jahr 2001 gewesen (5), ungefähr die Hälfte der auf den Tabakkonsum zurückzuführenden Todesfälle. Der Tabakkonsum stellt heute das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko in den Industrielandern dar. Angesichts der starken Verbreitung in der Bevölkerung und der hohen individuellen wie gesellschaftlichen Kosten geht die Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass durch keine andere Präventions- strategie ein vergleichbar hoher Zugewinn an Lebenszeit und Lebensqualität erreicht werden kann als durch eine nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums (33). Die positiven Effekte eines Rauchstopps auf die Gesundheit betreffen jeden Raucher, unabhängig von seinen bisherigen Rauchgewohnheiten.
Im Vergleich zum Übergewicht ist Rauchen das weitaus größere Gesundheitsrisiko. Die gesundheitlichen Vorteile des Rauchstopps überwiegen das Risiko, das mit einer Gewichtszunahme bei Tabakentwöhnung verbunden ist (z. B. 38, 35, 14). Rauchen ist kein Mittel zur Gewichtsregulation. Dem z. T. als gering eingestuften Risiko einer Gewichtszunahme kann begegnet werden, indem der Rauchstopp von Maßnahmen der Ernährungsberatung und einer Steigerung der körperlichen Aktivität begleitet wird. Daher sollten Interventionen zur Raucherentwöhnung, speziell bei starken Rauchern, gleichzeitig Maßnahmen zur Gewichtskontrolle beinhalten. Abgesehen davon sollte an aller erster Stelle die Primärprävention, also die Vermeidung des Rauchens, vor allem im Hinblick auf Kinder und Jugendliche, stehen.
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Verfasst am: Di Aug 31, 2010 21:09     Titel: Ähnliche Themen

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